Herzlich Willkommen auf Büchermeer! Dieser Blog existiert seit Oktober 2014 und wird seitdem manchmal mehr und manchmal weniger intensiv - aber immer mit viel Liebe - geführt! Ich bin Julia - 21 Jahre alt und vor zwei Jahren auf der Reise durch die Eskarpaden des Bildungssystems in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel an der Ostsee gelandet. Während meinen Busfahrten zur Uni (und wieder zurück nach Hause) begleiten mich das gedruckte und digitale Wort fast immer. Auf meinem Blog versuche ich, durch Rezensionen regelmäßig über meine Leseerfahrungen zu berichten. Du willst mehr von mir erfahren? Kein Problem! Dann klicke doch einfach hier! Ach ja: man findet mich übrigens auch auf Instagram, wo es allerhand zu sehen gibt. ;)

Jenni Fagan - Das Mädchen mit dem Haifischherz



Klappentext
Anais Hendricks ist fünfzehn und sitzt auf dem Rücksitz eines Polizeiautos. Ihre Schuluniform ist blutverschmiert, und am anderen Ende der Stadt liegt eine Polizistin im Koma. Doch Anais kann sich da an nichts erinnern. Jetzt ist sie auf dem Weg ins Panoptikum, einer Besserungsanstalt für schwer erziehbare Jugendliche, die für das Waisenkind am Ende einer langen Kette von Heimen und Pflegefamilien steht. Während Anais sich mit Mut und Fantasie durch ein Leben boxt, das ihr einen Schlag nach dem anderen versetzt, findet sie in den anderen Jugendlichen des Panoptikums fast so etwas wie eine Familie. Eine Familie, die sich ihre eigenen Mythen und Legenden schafft und deren Bande stärker sind als das System, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Es sei denn du hast ein Haifischherz und Freunde, die dir helfen, ihm zu folgen ...
Erscheinungsdatum Erstausgabe: 12.03.2014
Verlag: Kunstmann
ISBN: 9783888979255


Rezension
Jugendbuch ist nicht gleich Jugendbuch - spätestens nach der Lektüre dieses Buches ist das vollkommen klar. Der Klappentext verrät nicht einmal im Ansatz, wie hart es in diesem Roman wirklich vor sich geht - definitiv nichts für jüngere Jugendliche oder Personen mit schwachen Nerven! Auch Personen, die ein Problem mit vulgären Ausdrücken haben, sollten um dieses Buch lieber einen großen Bogen machen. Die Thematik ist weitaus tiefer als es sich erahnen lässt: Drogen, Vergewaltigung, Psychosen, Prostitution, gescheiterte Existenzen. Und das alles im Umfeld einer fünfzehnjährigen. Themen, die totgeschwiegen werden - besonders, wenn es dabei um Jugendliche, eigentlich noch um Kinder, geht.

Anfänglich ist es sehr schwer, einen Zugang zu der Geschichte zu finden - alles wird aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Anais erzählt, die, bedingt durch ihre negativen Erlebnisse, ein eher schwieriger Charakter ist. Niemand, mit dem man sich als Leser besonders gut identifizieren kann. Sie polarisiert in jeder erdenklichen Weise. Ihre Ausdrucksart ist sehr rau, ihre Ehrlichkeit erschreckend. Mit Anais hat die Autorin einen ganz besonderen Charakter geschaffen - und sie schreckt nicht davor zurück, der Fünfzehnjährigen ihre eigene Persönlichkeit zuzuschreiben, die sich auch in ihrer Art, sich auszudrücken und zu denken, widerspiegelt. In jedem Satz dieser Geschichte steckt dieses junge Mädchen - das macht sie so besonders überzeugend.

Die Zusammenhänge sind sehr kompliziert, den Gedanken von Anais lässt sich nicht besonders leicht folgen - der Grund? Kein Geheimnis. Anais nimmt Drogen, zu fast jeder Zeit der Handlung befindet sie sich auf einem "Trip", ist "high", hat sich mit den verschiedensten Dingen zugepumpt. Es ist unglaublich, wie authentisch Fagan diesen Sachverhalt wiedergibt. Schon bald verliert der Leser aus den Augen, was wirklich geschieht - könnte sich Anais vieles nicht einfach nur einbilden? Eindeutig ist: das Mädchen zweifelt berechtigterweise am Leben. Fragt sich, wer hinter ihrem Schicksal steckt, ob es jemandem Spaß macht, sie leiden zu sehen. So tough Anais auch wirkt, ist sie zwischen den Zeilen ein zerbrechlicher Charakter. Hat man sie erst einmal näher kennengelernt, empfindet man für das augenscheinlich so abgebrühte Mädchen so unendlich viel Mitleid.

Kaum möchte man sich vorstellen, dass es tatsächlich Jugendliche gibt, die unter diesen Umständen leben. Dass es junge Menschen auf dieser Welt gibt, die sich prostituieren - die Drogen konsumieren. Dieser Roman ist mehr als nur eine einfach dahin erzählte Geschichte, er ist fast schon ein Appell, der dem Leser über einen längeren Zeitraum hinweg im Kopf bleiben wird. Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen? Wie lange dauert es, bis die beliebte Redensart Was dich nicht umbringt, macht dich stärker nicht mehr greift?

Das Ende dieses Buchs lässt sehr, sehr viele Fragen offen - fast scheint es, als wäre ein sehr großer Teil der Handlung einfach verschluckt worden. Die Sachverhalte werden nicht wirklich klar. Auch im Verlauf der Handlung hakt dieser Roman einige Male, man fühlt sich hin und wieder festgefahren und glaubt, dass seitenlang eigentlich nichts passieren würde - kurze Zeit darauf wird man jedoch überrollt von mächtiger Handlung. Dieses Buch ist wirklich ein Wechselspiel der Gefühle. Es strotzt in jeder Hinsicht von Einzigartigkeit.

Fazit
Auf der einen Seite liebe ich dieses Buch - weil es anders ist. Es ist diese Art von Buch, die ich bisher noch niemals in den Händen halten durfte. Es fühlt sich besonders an, diese Geschichte zu kennen. Anais ist ein so einzigartiger Charakter, dass einem an manchen Stellen der Schauer über den Rücken läuft. Dies gilt für fast alle Charaktere dieses Romans - auf der anderen Seite war ich nach dieser Lektüre fast ein wenig frustriert. Zu viele Fragen bleiben unbeantwortet, einige der Handlungen scheinen sich in Nichts aufgelöst zu haben. Das Ende ging zu schnell von Statten. Plötzlich hatte ich die letzte Seite erreicht, ohne groß Antworten gefunden zu haben - natürlich mache ich mir nun Gedanken um dieses Buch. Einige meiner Ideen bestätigen sich mit jeder Sekunde, die ich über sie nachdenke, ein Stückchen mehr. Dennoch fehlt mir am Ende irgendwie etwas. Ein Licht vielleicht, die Spur von einer Andeutung.

Kommentare:

  1. Ich freu mich, dass es bei dir auch gut ankam! Hast es ja ruck-zuck fertig gelesen :)

    Liebste Grüße und ein schönes Wochenende,
    Kasia

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  2. Hallöchen :)

    Ich habe gerade durch Zufall deinen Blog entdeckt und bin auch gleich Leserin geworden :)

    Eine sehr schöne Rezension! Das Buch hört sich richtig toll an, das wandert gleich mal auf meine Wuli :)

    Liebste Grüße,
    Nenya

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